All eyes on Iran!
Im Iran gehen seit Wochen hunderttausende Menschen auf die Straße. Ihr mutiger Widerstand verdient unsere Solidarität. Das reaktionäre Mullah-Regime reagiert auf berechtigte soziale und politische Forderungen mit brutaler Gewalt: Tötungen, Massenverhaftungen, Internetabschaltungen und Informationskontrolle sollen den Widerstand des Volkes brechen – bislang ohne Erfolg.
Die Proteste sind Ausdruck der sozialen Realität im Iran: Inflation, Arbeitslosigkeit, Armut, Korruption und politische Unterdrückung prägen den Alltag. Die Arbeiter*innenklasse, Jugendliche, Frauen, Studierende und verarmte Teile der Mittelschichten wenden sich gegen ein System, das keine Zukunft bietet.
Es handelt sich um einen Volksaufstand gegen soziale Verwerfungen, patriarchale Gewalt und autoritäre Herrschaft. Das Regime hat jede unabhängige Klassenorganisation mit Gewalt unterdrückt. Linke Organisationen, Gewerkschaften und fortschrittliche Kräfte wurden nach 1979 systematisch verfolgt, zerschlagen, inhaftiert und ermordet – mit tiefgreifenden historischen Folgen.
Wie sich die Lage im Iran weiterentwickeln wird, ist offen. Klar ist jedoch: Die Zukunft des Landes darf weder vom Mullah-Regime noch von imperialistischen Mächten oder restaurativen Eliten bestimmt werden. Entscheidend ist jedoch, welche Klassen den Protest tragen, welche sozialen Forderungen im Zentrum stehen und welche politischen Kräfte an Einfluss gewinnen. Der Wandel muss vom iranischen Volk selbst erkämpft werden – von jenen, die heute unter Lebensgefahr für Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Würde kämpfen.
Gleichzeitig versuchen nationale und internationale Akteure, die Bewegung zu instrumentalisieren. Monarchistische Kräfte ebenso wie westliche Akteure wie die Trump-Administration drängen sich in den Vordergrund.
Besonders deutlich zeigt sich der Versuch der Vereinnahmung im Auftreten des Sohnes des Schahs. Reza Pahlavi versucht, sich als politische Alternative zu inszenieren und nutzt dabei seine finanziellen Möglichkeiten und internationalen Kontakte. Das Schah-System war jedoch niemals eine emanzipatorische Option. Historisch steht es für Repression, Geheimdienstterror, soziale Ungleichheit und politische Abhängigkeit vom westlichen Imperialismus. Eine Rückkehr zu monarchistischen Herrschaftsformen wäre kein Fortschritt, sondern eine Restauration alter Machtverhältnisse.
Die Völker des Irans haben sich für eine selbstbestimmte Zukunft auf den Weg gemacht.
Echte Solidarität bedeutet, den Kampf des iranischen Volkes zu unterstützen, ohne ihn zu instrumentalisieren oder geopolitisch zu missbrauchen. Solidarität mit den Protesten.